Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung im Lustgarten

Der zweite Sonntag im September

Zur Geschichte des OdF-Tages

Ausstellung

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1990: Der Neubeginn

Der im Mai gegründete Bund der Antifaschisten ruft im Sommer 1990 gemeinsam mit über 30 Organisationen aus Ost- und Westberlin auf, am zweiten Sonntag im September einen "Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung" zu begehen. Sie knüpfen an die großen überparteilichen Kundgebungen in den frühen Nachkriegsjahren an, geben dem "Tag der Opfer des Faschismus" aber zugleich ein neues Gesicht.

Unter dem Motto "Antifaschismus - Menschlichkeit in Aktion" versammeln sich am 9. September 1990 Tausende Menschen aus ganz Berlin im Lustgarten. Die Erinnerung an die Opfer des Faschismus und den Widerstand gegen das Nazi-Regime wird mit einem Appell für Toleranz und Solidarität und gegen das Wiederaufleben rassistischer, nationalistischer und neofaschistischer Kräfte verbunden. Zu den Rednern zählen die Journalistin Lea Rosh, Altbischof Dr. Albrecht Schönherr, der Schriftsteller Stefan Hermlin, der Vorsitzende der Ostberliner Jüdischen Gemeinde, Peter Kirchner, und der Rektor der Humboldt-Universität, Prof. Dr. Heinrich Fink. Hilde Bernstein über bringt Grüße des ANC und Nelson Mandelas. Der Grafiker Manfred Bofinger gestaltet das erste Aufruf-Plakat sowie weitere Plakate in den neunziger Jahren.

Am Vormittag eröffnet eine Kundgebung in der Gedenkstätte Plötzensee den Tag - und als gegen 19 Uhr der Liedermacher Perry Friedmann und die Schauspielerin Anne-Katrin Bürger das Kulturprogramm mit Musik und Dichterlesungen beenden, sind sich Veranstalter und Besucher einig: Es war ein hoffnungsvoller Neubeginn.
Foto: Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung im Lustgarten

VVN-BdA Rosa-Luxemburg-Stiftung Eine Ausstellung der
VVN-BdA e. V. und der
Rosa-Luxemburg-Stiftung





Auf dem Plakat ist der Hans Guck-in-die-Luft aus dem Struwelpeter zu sehen. Er reißt den rechten Arm hoch und wird wohl kopfüber ins Wasser stürzen... Das ist wenig aggressiv und bissig, um nicht zu sagen harmlos.
Auf dem Plakat ist der Hans Guck-in-die-Luft aus dem Struwelpeter zu sehen. Er reißt den rechten Arm hoch und wird wohl kopfüber ins Wasser stürzen... Das ist wenig aggressiv und bissig, um nicht zu sagen harmlos.
Das Gelächter hat mehr Wirkung als die Gewalt

Ich bin gegen das "Nazis raus!". Wenn ich gegen das bösartige ankämpfe, muß ich dies nicht bösartig tun. Ich wähle andere, intelligentere Mittel. Ich glaube auch nicht, daß dieses Motiv verharmlost. Gleich wird er kopfüber ins Wasser stürzen, der kleine Nazi, und dann brüllt alles vor Lachen. Das ist viel tre.ender und wirkungsvoller als Gewalt, die nur immer wieder Gewalt erzeugt."

Gespräch mit Bofi, genannt Manfred Bofinger, Schöpfer des Plakates zum Tag der Erinnerung und Begegnung am 8. September 1991, erschienen in junge Welt vom 7. September 1991

Manfred Bofinger
Manfred Bofinger