Schilder mit Namen ermordeter Widerstandskämpfer

Der zweite Sonntag im September

Zur Geschichte des OdF-Tages

Ausstellung

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Erstes Gedenken: Die Kundgebung in der Werner-Seelenbinder-Kampfbahn

Erstes Gedenken: Die Kundgebung in der Werner-Seelenbinder-Kampfbahn
Bereits am Vorabend des 9. September 1945 finden in vielen Schulen und in allen Bezirken Berlins Gedenkfeiern statt. Gottesdienste leiten den Gedenktag ein. Am frühen Nachmittag bewegen sich 30 Demonstrationszüge durch die Stadt. Ihr Ziel ist das in "Werner-Seelenbinder-Kampfbahn" umbenannte Neuköllner Stadion. Umrahmt von Fahnen der von Deutschland überfallenen Länder, erhebt sich in der Mitte des Platzes das von dem Baustadtrat Hans Scharoun entworfene Ehrenmal. Es trägt die Inschrift: "Die Toten mahnen die Lebenden", das Motto des ersten OdF-Tages. Unter den Buchstaben "KZ" steht der rote Winkel der politischen Häftlinge, der sich seither auf zahlreichen Plakaten, Aufrufen, Denkmälern, Publikationen und Abzeichen findet.

Hunderttausend stehen dicht gedrängt, als die ergreifenden Töne des Trauermarsches von Chopin erklingen. Beethovens Coreolan- und Leonoren-Ouvertüren unterstreichen den Gedenkcharakter des Tages. Der Schauspieler Horst Caspar rezitiert Karl Schnogs "Heimkehr", sein Kollege Ernst Wilhelm Borchert Johannes R. Bechers "Kinderschuhe von Lublin". Der Gesang "Unsterbliche Opfer" - ein russisches Revolutionslied - und das Moorsoldaten-Lied werden angestimmt. Die Ravensbrück-Überlebende Maria Wiedmaier, Ottomar Geschke und Oberbürgermeister Dr. Werner verbinden Trauer und Gedenken mit dem Aufruf, den Nazismus mit all seinen Wurzeln zu beseitigen und ein freies demokratisches Deutschland aufzubauen. Mit dem gemeinsamen Gesang "Brüder zur Sonne, zur Freiheit..." klingt der erste "OdF-Tag" aus.
Foto: Schilder mit Namen ermordeter Widerstandskämpfer

VVN-BdA Rosa-Luxemburg-Stiftung Eine Ausstellung der
VVN-BdA e. V. und der
Rosa-Luxemburg-Stiftung

(Fotoaufnahme Mitte der 1930er Jahre)
(Fotoaufnahme Mitte der 1930er Jahre)
Werner Seelenbinder, (1904-1944)

Seit 1917 Arbeitersportler, als Ringkämpfer mehrmals Deutscher Meister mit internationalen Erfolgen. 1928 tritt er in die KPD ein. Aufgrund seiner antifaschistischen Tätigkeit wird er 1933 kurzzeitig verhaftet. Teilnehmer an der Olympiade 1936, gewinnt mit dem 4. Platz keine Medaille und kann nicht, wie geplant, vom Siegerpodest das Nazi-Regime entlarven. Seit 1938 aktiv in der Widerstandsgruppe Robert Uhrig, wird er mit deren Zerschlagung 1942 verhaftet. Nach zwei Jahren Haft wird er am 24. Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Der Schauspieler Horst Caspar rezitiert die "Heimkehr" von Karl Schnog
Der Schauspieler Horst Caspar rezitiert die "Heimkehr" von Karl Schnog

"Heimkehr" von Karl Schmog
"Heimkehr" von Karl Schmog


Treffpunkt zur Demonstration
Treffpunkt zur Demonstration

Volkschor Oberschöneweide und die Städtische Chorgemeinschaft Neukölln in der Seelenbinder-Kampfbahn
Volkschor Oberschöneweide und die Städtische Chorgemeinschaft Neukölln in der Seelenbinder-Kampfbahn