Auf dem Weg zur Gedenkkundgebung 1947

Der zweite Sonntag im September

Zur Geschichte des OdF-Tages

Ausstellung

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Lustgarten 1946 und 1947: Ehrung der Toten - Verpflichtung der Lebenden

Die Gedenkveranstaltungen in den frühen Nachkriegsjahren in vielen Städten Deutschlands mit Hunderttausenden von Teilnehmern und die Berichterstattung in den Medien fördern die beginnende Auseinandersetzung mit der nazistischen Vergangenheit. Sie rücken die Opfer des Faschismus in das Bewusstsein der Bevölkerung.

Am 22. September 1946 steht im Berliner Lustgarten die Würdigung des deutschen Widerstandes in seiner weltanschaulichen Vielfalt im Mittelpunkt. Am 14. September 1947 ist das zentrale Anliegen die Ehrung der Toten und die Verpflichtung der Lebenden. Im Gedenken an alle Opfer des Faschismus sind diese OdF-Tage noch weitgehend überparteilich und überkonfessionell.

Millionen jüdische Opfer mahnen zur Wachsamkeit gegenüber einem schon wieder offen auftretenden Antisemitismus, vor dem die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Heinz Galinski und Julius Meyer zum OdF-Tag 1947 eindringlich warnen. Ottomar Geschke erklärt auf der Kundgebung im Lustgarten: "Der Kampf gegen den Antisemitismus ist nicht ein Kampf der Juden. Er muss ein Kampf aller anständigen Menschen in der ganzen Welt sein".

1947 gehört erstmals die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN) zu den Trägern des Gedenktages. Seit 1946 entstehen in allen Besatzungszonen Kreis- und Landesvereinigungen der VVN. Sie gehen organisatorisch und personell aus den OdF-Ausschüssen hervor.
Foto: Auf dem Weg zur Gedenkkundgebung 1947

VVN-BdA Rosa-Luxemburg-Stiftung Eine Ausstellung der
VVN-BdA e. V. und der
Rosa-Luxemburg-Stiftung


Mitglieder verschiedener Widerstandsbewegungen als Redner auf dem OdF-Tag 1946. v.l.: Werner Haberthür (christlicher Widerstand), Prof. Robert Havemann (Europäische Union), Gräfin Marion Yorck von Wartenburg (20. Juli), Änne Saefkow (Anton-Saefkow-Gruppe), Erich Wichmann (Beppo-Römer-Gruppe), Erich Ziegler (Heinz-Kapelle-Gruppe), Ruthild Hahne (Rote Kapelle), Ottomar Geschke
Mitglieder verschiedener Widerstandsbewegungen als Redner auf dem OdF-Tag 1946. v.l.: Werner Haberthür (christlicher Widerstand), Prof. Robert Havemann (Europäische Union), Gräfin Marion Yorck von Wartenburg (20. Juli), Änne Saefkow (Anton-Saefkow-Gruppe), Erich Wichmann (Beppo-Römer-Gruppe), Erich Ziegler (Heinz-Kapelle-Gruppe), Ruthild Hahne (Rote Kapelle), Ottomar Geschke

Die diesjährige Feier wird als ideologischen Inhalt "Das heimliche Deutschland", die illegale Widerstandsbewegung" haben. [...] In diesem Sinne wird die Rede von Herrn Geschke am 22. Sept. gehalten sein. Die Kundgebung soll ein Ansporn werden, mehr Material über die Widerstandsbewegungen zusammenzutragen und dem Ausland gegenüber damit zu demonstrieren, in welchem Ausmaße Widerstandbewegungen vorhanden waren.
(Protokoll der Sitzung des Hauptausschusses "OdF" am 9. September 1946)


Kundgebung im Lustgarten 1946
Kundgebung im Lustgarten 1946

Heute schon werden Meldungen bekannt, daß jüdische Geschäfte mit Hakenkreuzen beschmutzt, die Grabsteine auf den Friedhöfen umgeworfen werden. Heute empfangen wir solche Nachrichten aus Hannover, morgen aus Westfalen. (Heinz Galinski)
(Aus der Gedenkschrift "Der Kampf geht weiter. Zum Gedenktag für die Opfer des Faschismus am 14. September 1947", herausgegeben vom Berliner Hauptausschuß "Opfer des Faschismus")

Das Grauenvollste, was der Nazismus in den 12 Jahren seiner Schreckensherrschaft dem deutschen Volke angetan hat, war neben der Entfesselung des Weltkrieges der millionenfache Mord friedlicher und schuldloser Juden: Frauen und Kinder, Männer und Greise. Der deutsche Name ist durch diese in ihrem Ausmaß und ihrer systematischen Planung unvorstellbare Schandtat der Hitlerbanditen für alle Zeit befleckt.

Wo man von Opfern des deutschen Faschismus spricht, muß daher des Schicksals der deutschen und europäischen Juden immer an erster Stelle gedacht werden. (Dr. Hermann Duncker)
(Aus der Gedenkschrift "Der Kampf geht weiter. Zum Gedenktag für die Opfer des Faschismus am 14. September 1947", herausgegeben vom Berliner Hauptausschuß "Opfer des Faschismus")

Die Jüdische Gemeinde in Berlin, die nach dem Zusammenbruch des Naziregimes völlig neu aufgebaut werden mußte, weiß, daß sie kämpfen muß. Sie hat dies vom ersten Tage ihres Bestehens erfahren. (Julius Meyer)
(Aus der Gedenkschrift "Der Kampf geht weiter. Zum Gedenktag für die Opfer des Faschismus am 14. September 1947", herausgegeben vom Berliner Hauptausschuß "Opfer des Faschismus")

OdF-Tag 1946 im Berliner Lustgarten, Tribüne vor dem Alten Museum
OdF-Tag 1946 im Berliner Lustgarten, Tribüne vor dem Alten Museum