Straßenbild zum OdF-Tag in Leipzig 1945

Der zweite Sonntag im September

Zur Geschichte des OdF-Tages

Ausstellung

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Deutschlandweiter Gedenktag: Vielfalt der Erinnerung

Die "1. Interzonale Länderkonferenz der VVN" im März 1947 in Frankfurt am Main beschließt, den Gedenktag für die Opfer des Faschismus jährlich in ganz Deutschland am gleichen Tage zu begehen: am zweiten Sonntag im September.

Anliegen des OdF-Tages ist es, Gedenken und Erinnerung mit Aufklärung und Mahnung zu vereinen. Programm und Ablauf des Tages gleichen sich vielerorts. Widerstandskämpfer, führende Vertreter von Landesregierungen und Stadtverwaltungen und Politiker aller Parteien treten auf. Klassische Musik und Lesungen von Zeugnissen der Opfer und Verfolgten lassen Raum für Trauer um die Toten. Darüber hinaus werden sterbliche Überreste von Opfern des Faschismus beigesetzt, Gedenktafeln und Mahnmale eingeweiht, Straßen nach ermordeten Widerstandskämpfern benannt. Broschüren mit Texten von Verfolgten des Naziregimes werden publiziert und Ausstellungen zur Geschichte des Widerstands gezeigt. Umrahmt wird der zentrale Gedenktag von Feiern in Schulen, Kundgebungen in Betrieben, Andachten in Kirchen und Gedenkfeiern in Synagogen, Theateraufführungen, Konzerten und Rundfunksendungen. Mancherorts werden Gedenkwochen durchgeführt.

Von der Bevölkerung wird der OdF-Tag jedoch nicht immer angenommen: Schlussstrichmentalität, Scham über die eigene Schuld und Verantwortung, der Wunsch nach Neubeginn um den Preis des Vergessens, die Erfahrungen von Bombardierung und Vertreibung vertiefen die Kluft zwischen den überlebenden Opfern des Faschismus und der großen Mehrheit der Bevölkerung.
Foto: Straßenbild zum OdF-Tag in Leipzig 1945

VVN-BdA Rosa-Luxemburg-Stiftung Eine Ausstellung der
VVN-BdA e. V. und der
Rosa-Luxemburg-Stiftung

Aufruf-Plakat, gestaltet von Johannes Dammrich
Aufruf-Plakat, gestaltet von Johannes Dammrich

Grundsteinlegung für das OdF-Denkmal in Halle am 22. September 1946
Grundsteinlegung für das OdF-Denkmal in Halle am 22. September 1946

Im Referat hat unser Freund Raddatz bei der Arbeit, die wir in der Mobilisierung unseres Volkes zum Tag der Opfer des Faschismus gegeben hat, folgende Einschätzung ausgesprochen: 'Die überaus große Beteiligung der Bevölkerung am Tag der Opfer des Faschismus.' Vielleicht sprach unser Freund Raddatz aus den Erfahrungen von Berlin. Ich kann nur von den Erfahrungen aus Sachsen sprechen, und ich muß sehr selbstkritisch sagen, wenn wir nicht töricht die Augen verschließen wollen vor der Wahrheit, dann sind wir in Sachsen wenigstens gezwungen festzustellen, es ist uns bei weitem nicht gelungen, die Kluft, die uns, die VVN vom Volke trennt, zu überbrücken. Ich glaube, an vielen Orten konnte man folgendes feststellen, daß wir uns an diesem Tage selbst gefeiert haben. Die Versammlungen waren in der Hauptsache von unseren eigenen Anhängern und Mitgliedern besucht, sie waren besucht von den fortschrittlichen Elementen der einzelnen Parteien, Darüber sind wir nicht hin-ausgekommen. (Strecker [Hans Schrecker])

Wenn man heute über die Kundgebung im September des vorigen Jahres gesprochen hat, daß nur Mitglieder der VVN anwesend waren, will ich von Sondershausen berichten, daß dort bei dieser Kundgebung bei 14 000 Einwohnern 5000 Menschen teilgenommen haben. Das zeigt, wenn wir in den Organisationen aktiv mitarbeiten, dann werden auch unsere Wünsche und Anträge, die wir stellen, berücksichtigt werden. Die Kundgebung war wirklich eine Volkskundgebung. Das war nur zurückzuführen, weil wir in den Organisationen verankert sind und positiv mitarbeiten. (Tichner)
(Aus dem Protokoll zur 2. Hauptkonferenz der VVN in der sowjetischen Besatzungszone im Februar 1948)

Sachsen erklärt als einziges Land den OdF-Tag zum Staatsfeiertag
Sachsen erklärt als einziges Land den OdF-Tag zum Staatsfeiertag