OdF-Tag am 12. September 1948 im Berliner Lustgarten

Der zweite Sonntag im September

Zur Geschichte des OdF-Tages

Ausstellung

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1948: Das Ende des gemeinsamen Gedenkens

Unter dem Druck des Kalten Krieges, im Jahr von Währungsreform und Berlin-Blockade, zerbricht der antifaschistische Konsens. In der angespannten politischen Lage des Sommers 1948 beteiligt sich der Magistrat nicht mehr am OdF-Tag. Er richtet am 12. September eine eigene kleine Gedenkfeier in Plötzensee aus. Dort spricht die CDU-Stadträtin Margarete Ehlert für die erkrankte Oberbürgermeisterin Louise Schroeder (SPD). Die VVN ruft weiter zur Großkundgebung im Lustgarten auf. Sie wird unterstützt von religiösen Gemeinden, den Ostverbänden von CDU und LDP, vom Kulturbund, FDGB und FDJ sowie der SED und der sowjetischen Militäradministration. Der stellvertretende Vorsitzende der VVN, Heinz Galinski, eröffnet die Kundgebung mit über 100.000 Teilnehmern im Lustgarten. Erstmals nehmen auch ausländische Gäste teil. Vertreter der Internationalen Vereinigung der ehemaligen politischen Gefangenen ergreifen das Wort. Am Vortag findet ein Kongress internationaler Widerstandskämpfer im Filmtheater "Babylon" statt.

Nach der großen Manifestation am 9. September 1948 vor dem Reichstag gegen die Berlin-Blockade wird die Teilnahme an der Kundgebung im Ostteil der Stadt diffamiert: "Wer dem Aufruf der VVN und der SED oder des FDGB zur Demonstration am Sonntag im Lustgarten folgt, erklärt sich für den kommunistischen Gesinnungsterror und solidarisiert sich mit den heutigen Zwingherren der 'Keller' und KZs.", schreibt der SPD-nahe "Telegraf" am 11. September. Im britischen und amerikanischen Sektor werden Bezirksveranstaltungen zum OdF-Tag verboten.
Foto: OdF-Tag am 12. September 1948 im Berliner Lustgarten

VVN-BdA Rosa-Luxemburg-Stiftung Eine Ausstellung der
VVN-BdA e. V. und der
Rosa-Luxemburg-Stiftung

(Foto aufgenommen nach 1945)
(Foto aufgenommen nach 1945)
Heinz Galinski (1912-1992)

1943 Deportation nach Auschwitz, Befreiung aus dem KZ Bergen-Belsen, 1945 Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Mitglied des Hautpausschusses "OdF", 1948 stellvertretender Vorsitzender des Hauptvorstandes der Berliner VVN (bis 25. November 1948), ab 1949 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, 1988-1992 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland

Wenn wir aus der Erinnerung an unsere Toten die Verpflichtung für uns herleiten, dann erfüllen wir das Gesetz unserer Religion den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Pflicht.
(Heinz Galinski - als Vertreter der Abteilung "Opfer der Nürnberger Gesetzgebung" beim Hauptamt "OdF" - auf der Pressekonferenz des Hauptamtes "Opfer des Faschismus" am 28. August 1947)

Plakat, gestaltet von Fred Gravenhorst
Plakat, gestaltet von Fred Gravenhorst
Das Leitmotiv des OdF-Tages "Den Toten zu Ehren - den Lebenden zur Pflicht" steht in zahlreichen Städten Jahr für Jahr auf Aufrufen und Plakaten, ist Titel von Programmheften und Gedenkbroschüren.


Telegraf vom 13. September 1948
Telegraf vom 13. September 1948


OdF-Tag am 12. September 1948 im Berliner Lustgarten, Tribüne vor dem Alten Museum
OdF-Tag am 12. September 1948 im Berliner Lustgarten, Tribüne vor dem Alten Museum

Telegraf vom 12. September 1948
Telegraf vom 12. September 1948

Telegraf vom 12. September 1948
Telegraf vom 12. September 1948

Telegraf vom 13. September 1948
Telegraf vom 13. September 1948